Coronaviren – Kenntnisstand zu den Infektionswegen von SARS-CoV-2

 

// ALLGEMEIN

Für eine Infektion ist die Übertragung und damit die Aufnahme von Erregern in ausreichender Menge erforderlich. Die Übertragung kann über verschiedene Infektionswege erfolgen. Das Robert-Koch-Institut zum Infektionsweg von Coronaviren:

„Das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2) ist von Mensch zu Mensch übertragbar.

Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion. Dies kann direkt von Mensch zu Mensch über die Schleimhäute der Atemwege geschehen oder auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut sowie der Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden.“  1)

  • Primärer Infektionsweg damit „Tröpfcheninfektion“
  • Schmierinfektion über die Hände möglich

„Hingegen ist eine Übertragung über unbelebte Oberflächen bisher nicht dokumentiert. Eine Infektion mit SARS-CoV-2 über Oberflächen, die nicht zur direkten Umgebung eines symptomatischen Patienten gehören, wie z.B. importierte Waren, Postsendungen oder Gepäck, erscheint daher unwahrscheinlich.“ 1)

Das Bundesinstitut für Risikobewertung zum Infektionsweg Schmierinfektion über kontaminierte Oberflächen:

„Es gibt derzeit keine Fälle, bei denen nachgewiesen ist, dass sich Menschen auf anderem Weg, etwa über den Verzehr kontaminierter Lebensmittel oder durch importiertes Spielzeug, mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben.

Auch für andere Coronaviren sind keine Berichte über Infektionen durch Lebensmittel oder den Kontakt mit trockenen Oberflächen bekannt.

Übertragungen über Oberflächen, die kurz zuvor mit Viren kontaminiert wurden, sind allerdings durch Schmierinfektionen denkbar. Aufgrund der relativ geringen Stabilität von Coronaviren in der Umwelt ist dies aber nur in einem kurzen Zeitraum nach der Kontamination wahrscheinlich.“ 2)

  • Schmierinfektion über kontaminierte Oberflächen im denkbar, aber unwahrscheinlich

 

// DAS SCHWIMMBAD

Das Schwimmbad unterscheidet sich in einem Punkt von allen anderen öffentlichen Räumen: Die Gäste teilen sich Umkleiden, Spinde, Zugänge, Gastronomie UND das Beckenwasser. Hier stellt sich die Frage: Ist eine Übertragung über das gechlorte Beckenwasser möglich?

Viren sind keine Organismen. In das Beckenwasser eingetragene Viren können sich im Gegensatz zu Bakterien wie Pseudomonaden nicht vermehren. Die Beckenhydraulik sorgt für einen schnellen Abtransport von z.B. lokal durch abgehustetes Sekret eingetragene Viren und senkt gleichzeitig die Konzentration durch Verdünnung schnell ab. Die Filtration trennt die Viren, mit Ausnahme der Ultrafiltration, nicht ab. In der Reinwasserleitung ist eine deutlich höhere Chlorkonzentration (bis zu 2 mg/l) als im Becken vorhanden.

Unabhängig von der Desinfektion sinkt die Infektionswahrscheinlichkeit, da für eine Infektion die Aufnahme einer Mindestanzahl von Keimen, die sog. Infektionsdosis, erforderlich ist.

Das Beckenwasser wird mit Chlor desinfiziert – der Corona Virus zählt wie Influenza Viren zu den „behüllten“ Viren. Auch der Influenzavirus H5N1 vgl. Vogelgrippe zählt zu dieser Gruppe. Zur Wirksamkeit von Chlor gegenüber dieser Viren Gruppe meldete das Umweltbundesamt im Zuge der „Vogelgrippe“ 2006:

„Umhüllte Viren, zu denen die Influenzaviren gehören, weisen hinsichtlich der Einwirkung von Desinfektionsmitteln eine höhere Empfindlichkeit auf als nicht umhüllte Viren (z.B. die aus dem kommunalen Abwasser stammenden enteralen Viren). Damit sind sie einer chemischen Desinfektion besser zugänglich. Dieses gilt insbesondere auch für den Einsatz von Chlor und Chlordioxid als Desinfektionsmittel.3)

Die Deutschen Gesellschaft für das Badewesen meldet:

„Alle vorliegenden Erkenntnisse deuten jedoch darauf hin, dass Viren durch das Chlor sicher abgetötet werden.“ 4)

 

// ZUSAMMENFASSUNG

Nach derzeitigem Wissensstand ist das Übertragungsrisiko für Influenza und auch Coronaviren in Schwimmbädern nicht höher einzuordnen als in allen anderen öffentlichen Einrichtungen.

 

// SO MINIMIEREN SIE DAS RISIKO IM SCHWIMMBAD

Infektionsweg: Tröpfcheninfektion

  • Husten- und Nies-Etikette
  • Gründliche Handhygiene

Möglichkeit zur Unterstützung:

  • Information an die Besucher an relevanten, frequenzstarken Stellen/Orten
  • Bereitstellung von Handdesinfektionsmitteln z.B. Sanitär- und Umkleidebereiche

Infektionsweg: Schmierdesinfektion

  • Flächendesinfektion nach Hygieneplan
  • Identifizierung belasteter Bereiche z.B. Türgriffe, Spinde, Handläufe und Möbel (Tische/Stuhlehnen)
  • zusätzliche regelmäßige Reinigung/Desinfektion der belasteten Bereiche (z.B. 4x täglich)

Infektionsweg: Beckenwasser

  • Im Grundsatz keine zusätzlichen Maßnahmen erforderlich
  • Optional Erhöhung des Chlor-Sollwertes gemäß DIN 19643-1 und Reduzierung des pH-Sollwerts gemäß DIN19643 um eine höhere Desinfektionswirkung zu erreichen

 

1) Quelle: Homepage Robert Koch Institut 03.03.2020 – Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus SARS-CoV-2

2) Quelle: Homepage Bundesinstitut für Risikobewertung 03.03.2020 – Fragen und Antworten –
Kann das neuartige Coronavirus über Lebensmittel und Spielzeug übertragen werden

3) Quelle: Umwelt Bundes Amt – Trinkwasser und Aviäre Influenza A/H5N1T – 19. April 2006

4) Quelle: Homepage Deutsche Gesellschaft für das Badewesen – Coronavirus: Umgang im öffentlichen Badbetrieb